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Unverpackt

 

Ich bin mir - wie die meisten von uns - meiner Verantwortung gegenüber der Umwelt in den letzten Jahren zunehmend bewusster geworden. Und so stolpere ich durch das Konsumentenleben. Versuche, möglichst fair und regional einzukaufen. Probiere Produkte wie Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie. Und fahre dann doch wieder mit dem Auto zum Einkaufen oder greife bei der Grilleinladung mit vielen Gästen nicht im Biomarkt zu, sondern beim Discounter. Ich gehe vermutlich zwei Schritte vor und einen zurück. Dennoch will ich dabei bleiben, denn 1. geht die Tendenz insgesamt in die richtige Richtung und 2. bin ich der Überzeugung, dass zu radikale Umstellungen meist zum Scheitern verurteilt sind. Lieber gehen viele Menschen an vielen Orten kleine Schritte, als dass sie nach kurzer Zeit frustriert wieder aufzugeben, weil sie ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden (können).

 

Vor einiger Zeit habe ich davon gehört, dass in Nürnberg ein sogenannter "Unverpackt-Laden" eröffnet hat. Auch wenn Einkaufen dort für mich auf Grund der Entfernung nicht wirklich Sinn macht, hat mich die Neugier gepackt. Ich wollte das Konzept unbedingt mal ausprobieren und euch davon erzählen. Gestern war es dann so weit.

 

 

Eins vorweg: Sollte die eigenartige Regelung von Instagram, alles mit "Werbung" kennzeichnen zu müssen, auch hier gelten, mache ich das vorsichtshalber mal. Ich wurde aber nicht von ZeroHero beauftragt, den Laden zu bewerben und habe meine Einkäufe auch alle brav selbst bezahlt.

 

Wie funktioniert Einkaufen im Unverpackt-Laden?

Am besten bringt man Verpackungen von zu Hause mit, das heißt zum Beispiel Vorrats- und Marmeladengläser, Stofftüten, Gemüsenetze ... . Spontan einkaufen geht aber auch, weil man im Laden Behältnisse sowohl käuflich erwerben als auch kostenlos dem "Von Kunden für Kunden - Korb" entnehmen kann. Wir essen zu Hause gerne Glücks-Marmelade (schon wieder unbezahlte Werbung ;-)) und ich kann mich einfach nicht von diesen wunderschönen Gläsern trennen. Erst habe ich sie gesammelt, um selbst gekochte Marmelade darin abzufüllen. Irgendwann war ich aber bei über zwanzig Gläsern. Gestern bot sich nun also die Gelegenheit, einige davon wegzugeben, ohne, dass sie im Glascontainer landen. Vielleicht freut sich jetzt der ein oder andere Kunde von ZeroHero über ein bisschen Glück.

 

 

Ich habe mir erst mal in aller Ruhe das Sortiment des Ladens angeguckt. Man bekommt nicht alles, dafür aber besondere Sachen, z.B. eine wirklich große Auswahl an verschiedenen Getreide-, Pseudogetreide- und Nudelsorten. Außerdem gibt es Drogerieartikel von Holzzahnbürsten über Körper- und Haarseife bis hin zu Wasch- und Spülmittel. Das meiste davon ist entweder in großen Spendern oder anderen Behältnissen abgefüllt. 

 

 

Für Waren, die nicht in Stoffbeutel gepackt werden können, gibt es eine Waage. Hier wiegt man sein mitgebrachtes oder erworbenes Verpackungsgefäß und beklebt es mit einem entsprechenden Etikett. So kann beim Bezahlen das Gewicht des Glases abgezogen werden. Danach geht es ans Abfüllen. Mir hat das - besonders aus den großen Spendern - richtigen Spaß gemacht. Es hat was von Kaufmannsladen-Spielen, finde ich.

 

 

Das war eigentlich schon die ganze Kunst. Schade, dass es keinen solchen Laden in unserer Nähe gibt. Mir gefällt das Konzept gut und ich könnte mir vorstellen, öfter so einzukaufen. Zumal es an der Kasse keine unangenehme Überraschung gab. Oft ist fair, regional und bio ja auch eine Frage des Preises und ab und an hat man den Eindruck, man bezahlt für das gute Gewissen beim Einkaufen. Wobei ich nicht bestreiten will, dass z.B. artgerechte Tierhaltung ihren Preis hat und den auch unbedingt wert ist.

Die Atmosphäre im Laden war sehr angenehm. Alle sind zwanglos per Du. Trotz der Zeit (Vormittag) war immer Kundschaft im Laden, altersmäßig komplett durchgemischt. Wer will, kommt ins Plaudern. Ein bisschen wie man sich´s im Tante-Emma-Laden aus den guten alten Zeiten vorstellt.

 

 

Kleine Schritte beim bewussten Konsumieren ... die will ich weiter gehen. Unverpackt einkaufen haben wir ja ein Stück weit auch selbst in der Hand. Auf dem Wochenmarkt ist das kein Problem Beim Bäcker kann man sich Brötchen in die mitgebrachte Stofftüte füllen lassen und selbst im Supermarkt gibt es Möglichkeiten, wenn man die Augen offen hält und auch mal nachfragt. Nachfragen ist überhaupt eine gute Sache, finde ich. Denn wir haben als Käufer mehr in der Hand, als wir manchmal denken. Vor gar nicht langer Zeit waren z.B. Deos ohne Aluminium kaum zu finden. Heute sieht das ganz anders aus. Ich glaube, in unserer Gesellschaft findet gerade ein Umdenken statt, was die Ausbeutung von Mensch und Tier betrifft und unsere Verantwortung gegenüber der Schöpfung. Das stimmt mich optimistisch.

 

 

 

 

Hier sind noch ein paar Fotoimpressionen vom Einkaufen: