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Von Essgenuss und Abnehmk(r)ampf

Eigentlich wollte ich euch an dieser Stelle nur ein paar Bücher ans Herz legen. (Nein, ich werde nicht dafür bezahlt.) Irgendwie hatte ich aber den Eindruck, es könnte nicht schaden, das Thema etwas auszuweiten, weil es ziemlich viele Frauen betrifft.

Es geht um Essen, Zu- und Abnehmen, Hunger und Sattsein, (Un-)Wohlfühlen im eigenen Körper.

 

Meine Geschichte mit diesem Thema reicht weit zurück. Ich zähle nicht zu den Frauen, die erst nach Schwangerschaften oder mit Annäherung an die Lebensmitte Gewichtsprobleme bekommen hat. Ich bin mit zu viel Hunger/Appetit auf die falschen Sachen aufgewachsen und habe meine Diätkarriere früh gestartet. Die Gewichtsspanne, um die (+/- 5 kg) sich das eigene Wohlfühlgewicht theoretisch einpendeln sollte, kenne ich  nicht. Ich habe schon immer entweder zu- oder abgenommen. Leider auch nicht maximal 10 kg, sondern einiges mehr. Man könnte das als Essstörung diagnostizieren und auch in dieser Richtung habe ich bereits versucht, mir Hilfe zu holen. Letztendlich bin ich jetzt an dem Punkt, wo ich begriffen habe, dass mich das Thema lebenslang begleiten wird und ich lernen muss, meinen eigenen Weg damit zu finden. Aussehen und Selbstbewusstsein sind die eine Seite, Gesundheit ist die andere. Ich habe inzwischen ein paar Einschränkungen kennengelernt, die einen halbwegs vernünftigen und disziplinierten Menschen zur sofortigen Ernährungsumstellung bewegen würden. Ich kann mich sehr gut disziplinieren, das hat die Vergangenheit gezeigt, in meinem Kleiderschrank befinden sich vier verschiedene Konfektionsgrößen. Allerdings kippt der Schalter irgendwann leider auch immer wieder und ich verpasse den Moment, "Stop" zu sagen, bevor alles wieder beim Alten ist. Ich hoffe, ihr habt es geschafft, bis hierher zu lesen, ohne abzuspringen (so viel Frust), denn ab jetzt wird es besser. Egal, wie lange es diesmal anhält, ich bin mal wieder dabei, den Schalter in die richtige Richtung zu legen. Und, was mich dabei unterstützt, möchte ich gerne mit euch teilen.

 

Wer meinen letzten Blogbeitrag zum "Brotbacken" gelesen hat, weiß, dass ich nicht die motivierteste Küchenfee bin. Dennoch begeistern mich die Kochbücher von Ella Mills ("Deliciously Ella"). Ella hat krankheitsbedingt ihre Ernährung umgestellt, womit es ihr sehr gut geht. Sie beschreibt zunächst einige Basics zu den von ihr verwendeten Lebensmitteln, dann folgen jede Menge Rezepte mit wunderschönen Fotos, die Lust auf mehr machen. Was mich besonders angesprochen hat: Die Rezepte sind (zumindest in Band 1 und 2) komplett zwiebelfrei. Das kommt selten vor und ich weiß immer nicht, ob sie geschmacklich fehlen, wenn ich sie einfach weglasse, denn weder mag, noch vertrage ich Zwiebeln. Dieses Problem gibt es hier schon mal nicht. Witzig war, dass ich bereits eine ganze Weile nach diesen Büchern kochte, bevor mir auffiel, dass alles vegan ist. Da sind wir auch schon beim nächsten Sympathie-Punkt: Ella macht "vegan" nicht zur Religion. Sie beschreibt auch immer wieder, an welcher Stelle man z.B. Fisch oder Fleisch dazu essen könnte.

 

Ebenfalls gut gefallen mir "Gesund kochen ist Liebe"  und "Gesund backen ist Liebe" von Veronika Pachala und ich mag Veronikas Blog "Carrots for Claire" sehr gerne. Guckt ruhig mal rein, er ist wirklich empfehlenswert.

 

Als Theorie- und Motivationslektüre habe ich "Lebe leichter" von Heike Malisic und Beate Nordstrand wieder herausgekramt und "Esspausen - Besser als jede Diät" von Elke Schulenburg gekauft. Letzteres stellt das sogenannte intermittierende Fasten in allen Varianten vor, d.h. von der Fünf-Stunden-zwischen-den-Mahlzeiten-Pause", über mittlere Pausen (z.B. Mahlzeiten nur zwischen 8.00 und 18.00 Uhr mit anschließendem 14stündigen Fasten) bis zur kompletten Fastenwoche. Dieses Buch ist sehr schön aufgemacht, enthält auch einige Rezepte und motiviert mit netten Sprüchen (ich mag so was), wie "Wenn Hunger nicht das Problem ist, kann Naschen nicht die Lösung sein." oder "Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll." (Georg Christoph Lichtenberg)

 

"Lebe leichter" fasst in ein paar einfachen Anweisungen, die es aber in sich haben, zusammen, wie abnehmen gelingen kann:

1. Täglich drei Mahlzeiten (keine verbotenen Lebensmittel), einen Teller voll

2. Pause zwischen den Mahlzeiten (da sind wir wieder bei den Esspausen)

3. täglich 2-3 Liter trinken

4. 2x die Woche ist ein Maxi (z.B. Kuchen) erlaubt

5. täglich 30 Minuten Bewegung.

Die Zauberformel lautet "Sie dürfen alles essen,was Sie wollen, aber nicht wann und auch nicht so viel Sie wollen."

 

Was mir wirklich hilft - gerade, weil ich nicht die organisierte und hoch motivierte Köchin bin - ist ein Wochenplan. Ich habe mir ein paar Exemplare im Internet angeguckt und dann meinen eigenen entwickelt. Hier notiere ich für jeden Tag Gericht (nur die Hauptmahlzeit, die bei uns am Abend liegt), Name des Kochbuchs und Seite des Rezepts sowie eine Einkaufsliste für die benötigten Lebensmittel.

Funktioniert natürlich nur, wenn man diszipliniert dran bleibt und z.B. jeden Sonntag Abend plant und einträgt. Aber dann erleichtert es wirklich einiges.

 

Meine Kinder sind, was Essen angeht, nicht sehr experimentierfreudig. Wenn ich bewusst (sprich: gesund) koche, jubeln sie nicht gerade vor Begeisterung. Ich möchte aber auch nicht immer zweierlei Gerichte kochen. Zum Einen würde mich das stressen, zum Anderen schaden ihnen ein paar Vitamine ja auch nicht. Wenn man sich mit dem Thema "Essstörungen" beschäftigt, wird einem klar, dass man seine Kinder davor unbedingt bewahren will. Sie bekommen meine Gewichtsphasen natürlich hautnah mit. Es ist ein Spagat, einerseits offen darüber zu sprechen und andererseits keine Essstörungen herbeizureden. Ich versuche mein Bestes.

Was mich freut ist, wenn wir ein neues Familiengericht entdecken, dass gesund ist und allen schmeckt, Curry zum Beispiel. Auch die Umstellung auf Vollkornreis- und -nudeln hat wurde akzeptiert und beibehalten. Außerdem gibt es Kompromisslösungen: z.B. Schinken(vollkorn)nudeln für die Kinder und Nudeln mit Avocadopesto für uns Erwachsene (manchmal wird mein Mann auch zum Kind ;-))

 

Letzte Woche habe ich im Rahmen der Bloggerchallenge #bewusstimhierundjetzt über das Backen von Brot geschrieben. Bewusst im Hier und Jetzt, ohne Ablenkung und mit allen Sinnen zu essen ist sehr schön, aber im Alltag auch eine große Herausforderung für mich. Das wäre direkt noch einen Artikel wert, falls die Challenge fortgesetzt wird.

 

Zu guter Letzt habe ich mir über ebay-Kleinanzeigen günstig einen Hometrainer gekauft. Auf dem strampele ich jetzt täglich 30 Minuten. Tut auch meinen Knien gut. Ich walke eigentlich sehr gerne im Wald vor der Haustür. Am liebsten mit einer Freundin. Leider ist mir das durch chronische Schmerzen im rechten Fuß (entzündete Sehnen, denen ich versuche, mit speziellen Einlagen beizukommen) etwas verleidet. Einmal die Woche versuche ich es trotzdem. Die Luft im Wald und der Freundinnenplausch tun Leib und Seele einfach gut.

 

Wie immer würde ich mich über einen Austausch mit euch sehr freuen. Gerade bei diesem speziellen Thema. Ich weiß, dass viele Frauen auch mit 5 kg zu viel, die einfach  nicht runter wollen, Probleme haben. Früher habe ich darüber den Kopf geschüttelt. Aber ich weiß von einer guten Freundin, dass es für sie ein ebenso großes Problem ist, auch wenn man es äußerlich nicht so deutlich erkennt.

 

Also, egal ob euch 5 oder 50 kg plagen, ich freue mich, wenn wir uns gegenseitig unterstützen.