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Hochzeit

Eigentlich macht man es ja genau anders herum beim Bible Art Journaling: Erst kommt die Bibelstelle, dann wird sie kreativ umgesetzt. Ich hatte aber nun schon seit Monaten eine Idee auf der Pinterest-Pinwand, die ich endlich in meine Bibel bringen wollte. Eigentlich ganz simpel und doch so effektvoll: ein Brautkleid aus Tortenspitze. Also machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Bibelstelle und fand Offenbarung 19,7-8: "Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihn ehren. Denn die Zeit für das Hochzeitsmahl des Lammes ist gekommen, und seine Braut hat sich vorbereitet. Sie darf sich in strahlend weißes Leinen kleiden. Denn das strahlende Leinen steht für die guten Taten der Menschen, die zu Gott gehören."

 

Die optimale Bibelstelle für das Tortenspitzen-Brautkleid. Aber musste es ausgerechnet die Offenbarung sein? Dieses Buch mit den sieben Siegeln? Ich machte mich erstmal an die kreative Arbeit, faltete Spitze, klebte winzige Perlen, silberne Blumen und Herzen. Ja, so gefiel mir die Seite. Zufriedenheit machte sich breit. Das hatte mal wieder Spaß gemacht. Und jetzt? Die Bibelstelle? Hatte sie mir vielleicht doch etwas zu sagen?

 

 

In der Offenbarung sind die prophetischen Bilder aufgeschrieben, die Johannes von Gott bekommen hat. Sie steckt voller Symbolik. Das Lamm steht für Jesus, die Braut ist seine Gemeinde. Es geht um eine kommende Zeit, in der wir Gott persönlich gegenüberstehen. Das Ganze ist wie ein Fest beschrieben, das Fest, eine Hochzeit. Ich versuche, abzulegen, was mich an diesem Text befremdet und denke das Einfache, das Naheliegende. Ich erinnere mich an meine eigene Hochzeit, unglaubliche 19 Jahre her und doch in meiner Erinnerung so präsent, als wäre sie gestern gewesen.

 

 

Das Brautkleid

 

Mein Brautkleid. Seit ich ein kleines (romantisches) Mädchen war, hatte ich davon geträumt. Vom weißen Brautkleid und einer Kutsche. Als ich mich mit meiner Mutter auf den Weg zum Brautmodengeschäft machte, bot uns der Himmel ein Spektakel. Innerhalb kürzester Zeit gab es ein Gewitter und starken Schneefall in Folge. Auf der Autobahn lag eine geschlossene Schneedecke. Weiß wie Schnee ...

 

Im Brautmodengeschäft kam mir meine Größe (ich bin über 1.80 m) zum ersten Mal nicht in die Quere, sondern sogar zu Gute. Während die meisten Bräute um mich herum bei der Anprobe auf kleinen Hockern standen (die Kleider werden individuell gekürzt), passte mir die Länge auf Anhieb. Das kommt selten vor. Erstaunlich auch, was so ein Kleid mit einer Frau macht. Ich hätte nicht gedacht, dass ich am Ende dieses Kleid wählen würde. An mir wirkten die Modelle ganz anders als auf dem Kleiderbügel an der Stange.

 

Dann hatte ich also mein Kleid und wann immer sich die Gelegenheit bot, zog ich es an und fühlte mich ... nun ja, besonders, einzigartig. Weil das mit der Traumfigur seit jeher mein Problem ist, wollte ich vor der Hochzeit noch ein bisschen abnehmen. Das Kleid machte es mit, bis ich zwei Wochen vor der Hochzeit - meine Eltern waren gerade im Urlaub - panisch feststellte, dass ich nun zu dünn dafür geworden war. Diese Tatsache kostete sowohl mich als auch die Schneiderin etliche Nerven. Aber das Kleid wurde rechtzeitig zum 22. Mai fertig. Aufatmen! Problematischer verhielt es sich mit den Schuhen. Ich hatte es beim Eintragen zu gut gemeint und mir blutige Blasen gelaufen. In der Kirche nahm mir das Adrenalin jeglichen Schmerz, getanzt habe ich später barfuß. War sowieso schöner. Ich spottete ein bisschen, dass ich wohl die falsche Braut sei (Aschenputtel: "Ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh. Der Schuh ist zu klein. Die rechte Braut sitzt noch daheim.") An was man sich so alles erinnert. Ich bin wirklich dankbar, dass ich unsere Hochzeit genießen konnte. Ein bisschen Bammel hatte ich vorher schon gehabt, dass ich mir selbst im Weg stehen würde. Kennt ihr das? Wenn etwas besonders gut werden soll und man dann von den eigenen Gefühlen völlig blockiert ist? Wäre bei mir nicht das erste Mal gewesen. Aber unsere Hochzeit habe ich glücklicherweise wirklich in vollen Zügen genossen.

 

Was hat das alles jetzt mit dem Bibeltext zu tun?

Nun ja, ich habe mich einfach daran erinnert, was es mit mir gemacht hat, dieses besondere Kleid zu tragen. Ich habe mich einzigartig gefühlt, gesehen, wahrgenommen, geliebt. In einer anderen Bibelstelle (Epheser 4,24) heißt es: "Zieht das neue Leben an, wie ihr neue Kleider anzieht. Ihr seid nun zu neuen Menschen geworden, die Gott selbst nach seinem Bild geschaffen hat ...". Ich stelle mir vor, dass wir eines Tages alle solche besonderen Kleider tragen, uns einzigartig, angesehen und wertgeschätzt fühlen. Und dass wir ausgelassen feiern, Party machen, essen und trinken, tanzen und Spaß haben. Ich habe vorhin geschrieben, dass ich dankbar bin, unsere Hochzeit so genossen zu haben. Unsere Familie und unsere Freunde waren da und haben mit uns gefeiert. Es war wirklich himmlisch, ein Stück Himmel auf Erden. Ihr könnt auf den Fotos sehen, wie viel Spaß wir hatten. Meine Schwägerin führte durch den Unterhaltungsteil der Feier und moderierte Herzblatt. Vielleicht können sich einige von euch an diese Fernsehshow erinnern. Der Mann, der sein "Herzblatt" sucht, darf drei Frauen Fragen stellen und sich am Schluss für eine der drei entscheiden. Während der Fragerunden sieht er die Frauen nicht. Der spätere Mann meiner Trauzeugin ist für dieses Spiel in eine Frauenrolle geschlüpft und hat das mit einer Ernsthaftigkeit so herrlich rübergebracht, dass nicht nur ich mich köstlich amüsiert habe. Am Ende hat mein Bräutigam sich dann (Gott sei Dank ;-) ) für mich entschieden. Statt der Reise mit dem Herzblatt-Hubschrauber (wie in der Show) durften wir eine Runde mit aufgeblasenen Rodi-Pferdchen durch den Saal hüpfen. Mein armes Pferd ist komplett unter dem Brautkleid verschwunden.

 

Ich weiß: Das Leben ist kein Ponyhof und auch keine ewig währende Party.

Und dennoch: Eine Hochzeitsfeier - was für ein cooles Bild für ein Leben mit Gott.